{"id":10468,"date":"2025-10-01T07:12:43","date_gmt":"2025-10-01T06:12:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.profondia.com\/?post_type=newsletter&#038;p=10468"},"modified":"2025-10-01T07:12:43","modified_gmt":"2025-10-01T06:12:43","slug":"ki-im-realitaetscheck","status":"publish","type":"newsletter","link":"https:\/\/www.profondia.com\/de\/newsletter\/ki-im-realitaetscheck\/","title":{"rendered":"Zwischen B\u00f6rsenhype und Alltagsrelevanz: KI im Realit\u00e4tscheck"},"content":{"rendered":"<p>Gemeinhin wird die Erfindung der generativen KI mit derjenigen des PCs oder des Internets verglichen. Besonders der Vergleich mit dem Internet \u00fcberzeugt: Dank HTML und grafischen Oberfl\u00e4chen wurde das Internet pl\u00f6tzlich f\u00fcr die breite Masse nutzbar und er\u00f6ffnete zahlreiche kommerzielle M\u00f6glichkeiten. Ebenso war der generativen KI der Erfolg durch einfache Handhabung, ein breites Einsatzspektrum und beeindruckende Resultate fast garantiert. KI ist da, um zu bleiben: Sie wird unseren Alltag dauerhaft ver\u00e4ndern, sowohl beruflich als auch privat.<\/p>\n<p>Auch zu Beginn des Internetzeitalters schossen die Fantasien durch die Decke. Bill Gates meinte 1994, dass Banking unabdingbar sei, Banken jedoch nicht. Nun, die Banken sind nicht verschwunden, aber jede Bank wickelt heute einen Grossteil ihres Gesch\u00e4fts elektronisch ab. Eine \u00e4hnliche Transformation ist auch durch KI zu erwarten, insbesondere dort, wo das notwendige Wissen in Textform vorhanden ist. In der aktuellen Euphorie geht jedoch oft vergessen, dass der heutige Stand der KI vor allem auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen f\u00fcr das n\u00e4chstfolgende Wort basiert. Geht es um tiefes physikalisches Verst\u00e4ndnis, die Entwicklung neuer mathematischer Theorien, das Erleben subjektiver Erfahrungen oder das sichere Beherrschen mehrstufiger logischer Schlussfolgerungen, st\u00f6sst die KI derzeit an Grenzen.<\/p>\n<p><strong>Die Geschichte wiederholt sich<br \/>\n<\/strong>Die Internet-Euphorie endete in der Dotcom-Blase. Diese brachte zwar neue Tech\u00adChampions hervor, die zum Teil bis heute eine dominierende Stellung einnehmen, wie Alphabet (Google) und Amazon, deren \u00fcberlegenes Ge\u00adsch\u00e4ftsmodell sich aber erst mit der Zeit herauskristalli\u00adsierte. Die Rallye an den B\u00f6rsen wurde schon damals durch den Hunger nach Infrastruktur angetrieben. Was damals die Nachfrage nach mehr Netzwerkbandbreite war, ist heute der enorme Bedarf an Rechenleistung. Fast alle f\u00fchrenden KI-Unternehmen sind \u00fcberzeugt, dass ihr Erfolg von der Verf\u00fcgbarkeit enormer Rechenkapazit\u00e4t abh\u00e4ngt, und investieren Milliarden in Rechenzentren und Chips, zu einem guten Teil finanziert durch die B\u00f6rse.<\/p>\n<p><em>\u00abIn der Dotcom-Blase reichte es \u00fcberspitzt gesagt, hinter ein Wort \u00ab.com\u00bb zu setzen, um bei Investoren Interesse zu generieren. Heute ist es \u00e4hnlich: Alleine das Label \u00abAI\u00bb steht noch lange nicht f\u00fcr intelligente L\u00f6sungen.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>Zu Zeiten der Dotcom-Blase wurden enorme Summen in den Ausbau der Netzwerke investiert. Diese Investitionen wurden durch die Anleger und zum Teil durch die Netz\u00adwerkausr\u00fcster auf Kredit finanziert. 1999 wurden erste Analysen publik, die auf einen massiven \u00dcberausbau der Kapazit\u00e4ten hinwiesen. Die Netzbetreiber versuchten zun\u00e4chst, die Bedenken mit Hinweisen auf die n\u00e4chsten \u00abKiller-Applikationen\u00bb zu zerstreuen, welche die Netze schon bald f\u00fcllen werden. Die Hoffnung lag damals auf der Videokommunikation, deren grosser Durchbruch jedoch erst in der Coronakrise kam. Nach dem Zusammenbruch im Jahr 2001\/2002 zeigte sich, dass bis zu 90 Prozent der aufgebauten Netzwerkkapazit\u00e4t ungenutzt blieben. Grosse Player wie MCI World gingen bankrott. Da bei deren Restrukturierung ein Grossteil der Netzwerk-Investitionen abgeschrieben wurde, konnten diese Anbieter danach mit aggressiven Preisen wieder auftreten und setzten so jene unter Druck, die seri\u00f6ser kalkuliert hatten.<\/p>\n<p><strong>Rechenkapazit\u00e4t versus Anwendungsnutzen<br \/>\n<\/strong>Auch beim heutigen KI-Boom werden grosse Summen auf Unternehmen gewettet, von denen sich die Anleger erhoffen, dass sie zu den wenigen grossen Playern von morgen geh\u00f6ren. Auch hier werden viele Anbieter auf der Strecke bleiben, doch deren Rechenkapazit\u00e4t wird auf dem Markt bestehen bleiben. Aufgrund der aktuellen geopolitischen Situation ist es zudem unwahrscheinlich, dass es k\u00fcnftig nur einen oder einige wenige dominante Anbieter geben wird. Zu Zeiten der Internetblase waren die USA die unangefochtene Weltmacht. Heute konkurriert China mit den USA um die Vormachtstellung, auch im KI\u00ad-Wettrennen. China setzt dabei, \u00e4hnlich wie schon in der E\u00ad-Mobilit\u00e4t oder bei der Solarenergie, auf eine interne Hyper\u00ad-Konkurrenz, indem es Tausende von KI\u00ad-Firmen f\u00f6rdert. So wird etwa auf Basis von DeepSeek eine islamisch orientierte KI entwickelt, die speziell auf die Bed\u00fcrfnisse muslimischer Nutzerinnen und Nutzer zugeschnitten ist.<\/p>\n<p>Es ist zudem denkbar, dass bei der aktuellen Kapazit\u00e4ts-\u00adBolzerei zu wenig Fokus auf schlanke KI-Modelle (DeepSeek l\u00e4sst gr\u00fcssen) und den ressourcenbewussten Einsatz von Anwendungen gelegt wird. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase f\u00fcllte auch das mobile Internet die \u00fcbersch\u00fcssige Netzwerkkapazit\u00e4t nicht sofort, denn pl\u00f6tzlich standen schlanke Applikationen und Algorith\u00admen im Vordergrund, die \u00fcberall mobil genutzt werden konnten.<\/p>\n<p><strong>Quo vadis, KI?<br \/>\n<\/strong>Ob die Versprechungen von KI\u00ad-Agenten eingel\u00f6st werden, steht noch in den Sternen. Derzeit k\u00f6nnen erst einfache Aufgaben durch KI autonom ausgef\u00fchrt werden. Komplexere Aufgaben erfordern weiterhin eine Kombination aus KI und klassischen Automatisierungsl\u00f6sungen. Die aktuelle Debatte erinnert ein wenig an das autonome Fahren, bei dem Enthusiasten jahrelang einen Durchbruch in K\u00fcrze prognostizierten \u2013 bis klar wurde, dass daf\u00fcr noch viele Voraussetzungen geschaffen werden m\u00fcssen. Gut m\u00f6glich, dass wir \u2013 \u00e4hnlich wie beim autonomen Fahren \u2013 mit einem Zwischenstatus gut leben k\u00f6nnen, bei dem uns viele l\u00e4stige Aufgaben im Tagesge\u00adsch\u00e4ft abgenommen werden, der Mensch aber weiterhin f\u00fcr das Zusammenspiel des grossen Ganzen verantwortlich bleibt.<\/p>\n<p>Vergessen wir bei der ganzen KI-Euphorie nicht, worauf es ankommt und worauf wir den Fokus setzen sollten: nicht auf den Herdentrieb der B\u00f6rse, sondern auf Anwendungen, die einen praktischen Nutzen bieten und zu nachvollziehbar richtigen Ergebnissen f\u00fchren. Nur das stiftet einen echten Mehrwert f\u00fcr uns alle.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.profondia.com\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/IT-Markt_07-2025_Fachbeitrag_Profondia.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel IT-Markt 07\/2025<\/a><\/p>\n","protected":false},"featured_media":10474,"template":"","newslcat":[26],"acf":{"newsletter_date":"20251001","newsletter_short_detail":"Wie schon bei der Dotcom-Blase treibt die Fantasie die Kurse hoch, w\u00e4hrend der t\u00e4gliche Einsatz Antworten gibt, die noch einer \u00dcberpr\u00fcfung bed\u00fcrfen. 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